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Neidhart + Schön: Wenn Visionen ins Netz der Praxis gehen PDF-Version:als PDF öffnen / Pressestimmenmehr Info
Die Neidhart + Schön Group in Zürich hat mit der Implementierung des Job Definition Formats (JDF) ein neues Kapitel der unternehmensweiten Vernetzung aufgeschlagen. Externe Unterstützung erfährt Neidhart + Schön dabei von Creo, HIFLEX und MAN Roland, die bei der Realisation der Vernetzung an einem Strang ziehen. Mittlerweile gibt es zwischen dem Innendienst, der Vorstufe und dem Druck einen regen digitalen Informationsaustausch, der mehr Transparenz sowie präzisere und effizientere Abläufe bringt.

Geschäftsführer Olivier Neidhart  
Für Oliver Neidhart, Geschäftsführer der Neidhart + Schön Group AG, steht die Vernetzung aller Bereiche des Unternehmens schon seit Beginn der Neunzigerjahre ganz oben auf der Tagesordnung.

Die Neidhart + Schön Group ist ein expandierendes Gebilde innerhalb der schweizerischen Druck- und Medienlandschaft. Zur Gruppe gehören die Offsetdruckerei Neidhart + Schön AG, der Digitaldruck-Dienstleister AAA AG und die via one! Multimedia Solutions AG – alle drei angesiedelt im Züricher Stadtteil Wipkingen. Insgesamt beschäftigt die Gruppe 60 Mitarbeiter, wovon 50 bei der Offsetdruckerei tätig sind. Geschäftsführer Olivier Neidhart bringt seine Unternehmensphilosophie mit zwei Sätzen auf den Punkt: "Der Gruppengedanke ist uns sehr wichtig. Dazu integrieren wir unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse und eröffnen unseren Kunden im Sinne der Cross-Media-Produktion erhebliche Synergiepotenziale." Die Neidhart + Schön Group entwickelt dazu für ihre Kunden Konzepte, die es ermöglichen, Informationen nur einmal zu erfassen und je nach Anforderung automatisiert für verschiedene Medien aufzubereiten. Diese Ausrichtung setzt ein vernetztes unternehmerisches Denken und Handeln der Mitarbeiter geradezu voraus. Aber auch die Kunden müssen an die neuen Möglichkeiten herangeführt werden. Das Unternehmen informiert daher den Markt im Rahmen von Newslettern und Workshops proaktiv über neue Kommunikations- und Produktionsmethoden.

Gleichzeitig ist die Vernetzung der Technik der Schlüssel für eine effiziente Produktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Alleine die Offsetdruckerei konnte in den letzten zehn Jahren ihren Umsatz mehr als verdoppeln und die Anzahl der abgewickelten Aufträge deutlich steigern. Ein wesentlicher Grundstein für die Erfolgsstory der Neidhart + Schön Group war die bereits im Jahr 1992 in Angriff genommene Einführung der Branchensoftware von HIFLEX. "Für uns ist es wichtig, die Daten aller Aufträge zu erfassen und auszuwerten. Somit sind wir in der Lage, jeden einzelnen Auftrag zu analysieren und Schlüsse auf der Grundlage fundierter betriebswirtschaftlicher Fakten zu ziehen", betont Olivier Neidhart.

Dank Vernetzung zum dynamischen Organismus
Bereits Anfang der Neunzigerjahre entwickelte Olivier Neidhart die Vision, den elterlichen Betrieb über kurz oder lang vollständig zu vernetzen. Während seines Studiums und mehreren Auslandsaufenthalten hatte er gesehen, wie in anderen Industriezweigen durch eine konsequente Vernetzung die Produktivität und Wirtschaftlichkeit deutlich gesteigert werden konnten. Der Verwirklichung dieser Vision ist Neidhart + Schön seit dem Sommer 2003 einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Mit Unterstützung der Partner aus der Lieferindustrie und den Möglichkeiten des Job Definition Formats (JDF) ging Neidhart + Schön im Jahr 2003 die abteilungsübergreifende Vernetzung der Unternehmensadministration, der Druckvorstufe und des Drucks an.

Für sämtliche administrativen Vorgänge, das Angebots-, Kalkulations- und Rechnungswesen, die Produktionsplanung und die Betriebsdatenerfassung setzt das Unternehmen die HIFLEX Print-Branchensoftware ein, die mit sämtlichen verfügbaren Softwaremodulen ausgestattet wurde. Insgesamt arbeiten 15 Mitarbeiter ständig mit sämtlichen Modulen des Systems, weitere zehn greifen bei Bedarf auf die verschiedenen Module zurück. Die HIFLEX-Branchenlösung bildet den Ausgangs- und Endpunkt der Vernetzung. Mit der Software werden die Kunden- und Auftragsdaten erfasst und verwaltet, die technischen Daten daraus in die integrierte Produktionsplanung überführt und anschließend an die Produktion übergeben. In umgekehrter Richtung fließen Informationen aus der Produktion über die Betriebsdatenerfassung der Branchensoftware zurück und werden für die Nachkalkulation, Kostenrechnung und Statistik aufbereitet.

Sceenshot HIFLEX Print  
Eine auftragsbezogene Übersicht der PP-Jobs (Prepress Jobs, Karteireiter Creo), die automatisch erfasste Rückmeldungen des Prinergy_Workflow-Management-Systems (PP Freigabe, PP Arbeiten enthält.

In der Druckvorstufe wurden die ausgabeorientierten Produktionsabläufe mit einem Prinergy-Workflow-Management-System von Creo auf eine JDF-kompatible Basis gestellt. Mit dieser Investition verknüpft war die Einführung der digitalen Druckplattenbebilderung in Form eines vollautomatischen Creo-Thermoplattenbelichters vom Typ Lotem 800 Quantum mit Online-Plattenentwicklung.

Im Drucksaal der Neidhart + Schön AG herrscht das Maschinenformat 3B vor. Leistungsträger sind hier eine Sieben- und eine Fünffarben-Roland 700. Für die JDF-basierende Vernetzung der beiden Bogenoffsetmaschinen im 3B-Format war kein Hardware-Upgrade, sondern lediglich eine Softwareaktualisierung des PECOM-Systems erforderlich.

Daniel Schnyder, der als Leiter Technik und Gesamtproduktion aufseiten Neidhart + Schön für die Umsetzung des JDF-Projekts verantwortlich zeichnet: "Für uns war es entscheidend, ohne große technische Aufrüstung der vorhandenen Infrastruktur eine JDF-basierende Kommunikation zwischen der Druckereiverwaltung, der Vorstufe und dem Druck einzurichten." Das Wichtigste sei die solide Konzeption und Planung des Projektes gemeinsam mit Creo, HIFLEX und MAN Roland am runden Tisch gewesen. Jeder der drei Hersteller habe einen Projektverantwortlichen bestimmt, der allen übrigen Beteiligten als Ansprechpartner zur Verfügung stand. Die Feinabstimmung erfolgte in wöchentlichen Konferenzschaltungen. Bedingt durch die gründliche Vorbereitung habe die praktische Einrichtung der JDF-Kommunikation inklusive Installation und Schulung lediglich drei Arbeitstage in Anspruch genommen.

Daniel Schnyder, Leiter Technik und Gesamtproduktion  
Daniel Schnyder, Leiter Technik und Gesamtproduktion, hält bei Neidhart + Schön die Fäden des JDF-Projekts in der Hand

Systeme im Dialog
Technisch wurde die Vernetzung zwischen HIFLEX Print und dem Creo Prinergy-System über das Creo-Softwaremodul Synapse Link bzw. den HIFLEX JDF Controller realisiert, das die Zweiwege-Kommunikation von JDF- und dynamischen JMF-Daten unterstützt. Einerseits lassen sich dank dieser Verbindung neue Prinergy-Jobs unmittelbar aus dem HIFLEX-Management- Informationssystem (MIS) heraus anlegen, was in der mit 15 Mitarbeitern besetzten Druckvorstufe (Satz, Bildbearbeitung, digitale Druckformherstellung) wiederholte Dateneingaben erübrigt. Andererseits kann Prinergy über die JDF-Schnittstelle von Creo das MIS in Echtzeit mit Produktionsdaten aus der Druckvorstufe versorgen. Dazu zählen beispielsweise exakt protokollierte Informationen über die Seitenfreigaben, die Prozesszeiten und den Materialverbrauch. MAN Roland hat in sein PECOM-System ebenfalls eine JDF-Schnittstelle integriert, über die bei Neidhart + Schön ein bidirektionaler Datenaustausch realisiert wurde. Somit kann das HIFLEX-MIS dem PECOM-System der MAN Roland-Druckmaschinen die für den Druck relevanten Parameter online zur Verfügung stellen und in der Gegenrichtung von den Druckmaschinen ständig aktuelle Ereignis-Informationen empfangen.

Lotem 800 Quantum  
Auch die Druckplattenbebilderung auf dem Lotem 800 Quantum ist über Prinergy in den JDF-gesteuerten Workflow eingebunden.

Mit der Einführung von JDF hat die Arbeit an den HIFLEX-Arbeitsplätzen keinen grundlegenden Wandel erfahren. Der zuständige Innendienstmitarbeiter legt wie bisher einen Auftrag mit den dazugehörigen Parametern an. Nach der Auftragserteilung wird die HIFLEX Disposition über die Zwischen- und Endtermine informiert. Parallel dazu legt das HIFLEX Print-System einen Job im Prinergy-System an. Auf der Grundlage der bereits in der Druckereiverwaltung definierten Parameter erfolgt in der Prepress-Abteilung die digitale Bogenmontage im Creo-Ausschießprogramm Preps Plus.

Hat der Kunde nach dem Abstimmungs- und Proofzyklus sein "Gut zum Druck" erteilt, werden aus der HIFLEX-Disposition heraus die Daten für das PECOM-System geschrieben. Der JobPilot im PECOM-System erhält auf diesem Weg alle Informationen über den Kunden, das Produkt, das Format, die Auflage, das Papier, die Anzahl der Druckplatten bzw. Farben usw. Anhand der Papierklasse werden auch die Sollwerte für die CCI 2-Farbmess- und Regelanlage zugeordnet. Die Übergabe der in der Druckvorstufe von Creo PrintLink erzeugten Daten für die Farbzonenvoreinstellung an PECOM erfolgt wie bisher über CIP3-Dateien.

Zum Rapport gerufen
Das datenbankgestützte Prinergy-System protokollierte schon bisher die einzelnen Vorgänge, Verarbeitungsprozesse (Ausschießer importieren, Refinen, Trapping, Color Management usw.) und den Materialverbrauch in der Druckvorstufe. Über die JDF-Schnittstelle werden diese Informationen jetzt automatisch an das HIFLEX Print-System übermittelt und stehen dort unter anderem für das Rechnungswesen, die Kostenrechnung und statistische Zwecke zur Verfügung. Insbesondere ist die Disposition und Terminplanung über den Auftragsstatus jederzeit und aktuell informiert. Die auftragsbezogenen Arbeitszeiten gibt jeder Mitarbeiter in der Produktion (Prepress, Press und Postpress) direkt in die Betriebsdatenerfassung des HIFLEX Print-Systems ein.

Screenshot PECOM JobPilot  
Der JobPilot im PECOM-System der Druckmaschinen wird über die JDF-Schnittstelle vom HIFLEX Print-MIS-System mit den relevanten Auftragsdaten und Parametern für Einstellungen versorgt.

Auch die Druckmaschinen sind in den Informationsaustausch einbezogen. Zum einen schickt HIFLEX kaufmännische (Auftragsbezeichnung, Kunde) und technische Daten (Format, Farben, Grammatur, Produktstärke) zur Maschinenvoreinstellung ans PECOM-System. Zum anderen meldet PECOM von sich aus diverse maschinenbezogene Ereignisse zum MIS. Zusätzlich besteht für das Maschinenpersonal die Möglichkeit, bis zu 45 verschiedene Betriebsdaten-Events durch das Drücken jeweils einer Taste am Druckmaschinen-Leitstand zum HIFLEX Print-System zu übertragen. Wenn dies nicht reicht, können mit der Option Barcode Collect bis zu 150 weitere Ereignisarten per Barcode-Leser erfasst werden.

Was es bringt
Die Implementierung von JDF bewertet Daniel Schnyder, selbst gelernter Drucker, grundsätzlich positiv. Durch die Abschaffung der Tageszettel und die Einführung der dezentralen elektronischen Betriebsdatenerfassung konnte schon vor fünf Jahren eine halbe Arbeitskraft eingespart werden. "Mit JDF ersparen wir uns jetzt alleine in der Druckvorstufe pro Auftrag bis zu zwei Minuten. Bei zehn bis 15 Jobs pro Tag ergibt dies eine Einsparung von 20 bis 30 Minuten und im Drucksaal ist der Effekt noch größer", fasst der technische Leiter seine bisherige Einschätzung zusammen. Hochgerechnet auf ein Jahr dürfte das Einsparungspotential in der jetzigen Ausbaustufe und alleine durch vermiedene Mehrfacheingaben zwischen 300 und 400 Mannstunden betragen.

Daniel Schnyder, selbst gelernter Drucker  
Bei Neidhart + Schön sind die Bogenoffsetmaschinen über das PECOM-System in den JDF-gestützten Informationsaustausch einbezogen

Positiv beurteilt man bei Neidhart + Schön auch die gestiegene Qualität der Daten und die daraus resultierende Transparenz in der Produktion. Somit lassen sich sowohl einzelne Aufträge als auch gesamte Prozesse genau analysieren und eine solide Entscheidungsgrundlage gewinnen. Ferner werden alle signifikanten Ereignisse gespeichert und die Produktions- und Materialkosten, die mit jeder Änderung verbunden sind, aufgezeichnet. Dies ermöglicht eine genaue Rückverfolgung der Produktion und eine weitaus präzisere Abrechnung der Aufträge.

Was es noch zusätzlich bringen könnte
In den Köpfen der Züricher Drucker kursieren bereits Ideen, wie die Vernetzung weiter vorangetrieben werden könnte. Auf der Wunschliste steht beispielsweise das vollautomatische, JDF-gestützte Ausschießen der Aufträge anhand der vom Innendienst in der HIFLEX-Produktionsplanung definierten Parameter.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Automatisierung der schon seit längerem praktizierten Just-in-time-Anlieferung des Druckpapiers. "Hier in Zürich haben wir mit sehr hohen Platzkosten zu kämpfen. Unser Ziel ist, dass künftig zeitgleich beim Gut-zum-Druck eines Auftrags durch den Kunden der Papierzugang erfolgt. Somit könnten wir in Zukunft die direkten und indirekten Kosten für Lagerung und Logistik deutlich senken." Die momentane Ausbaustufe der JDF-Vernetzung betrachten Daniel Schnyder und seine unternehmensinternen Mitstreiter als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Vernetzten Graphischen Produktion. Weitere Schritte werden bereits gemeinsam mit Creo, HIFLEX und MAN Roland diskutiert, evaluiert und in den kommenden Monaten umgesetzt. Mit Sicherheit wird auch die Druckweiterverarbeitung in die vernetzte Produktion integriert werden. Vor diesem Hintergrund steht für die Verantwortlichen bei Neidhart + Schön eines außer Frage: Bei allen anstehenden Investitionsvorhaben wird die JDF-Kompatibilität im Anforderungskatalog ganz oben stehen.

Neidhart + Schön Group AG
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