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Bei Kraft Druck denkt man schon lange an morgen. Die vierstufige JDF-Vernetzung von Administration, Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung
gilt als weltweit einzigartig. Doch rechnet sich der Aufwand auch? Eine erste Bilanz. Von Roland Dreyer |
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Was bisher geschah: Die Druckvorstufe ist komplett digitalisiert, und die Prozesse im Druck stehen auf
einer einheitlichen Maschinen- und Formatplattform. Die Weiterverarbeitung wurde entsprechend dem
Trend zu kleineren Auflagen flexibilisiert. Alle Funktionen der Druckereiverwaltung bis hin zur Betriebsdatenerfassung
haben eine systematische Grundlage. Der Offsetbereich wurde mit Digitaldruck für die schnelle
Produktion kleiner Aufträge ergänzt. |
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Bei der vor 28 Jahren als Vier- Mann-Druckerei gegründeten Kraft Druck und Verlag GmbH in Ettlingen-Oberweier bei Karlsruhe arbeiten
heute über 80 Mitarbeiter mit topaktueller Ausstattung. "Wir haben nie versäumt, unseren Leuten die jeweils
modernste Technik an die Hand zu geben, mit der sie vernünftig arbeiten können", sagt Werner Kraft,
Geschäftsführer des vollstufigen grafischen Betriebes. |
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Im Kraft ' schen Fertigungsprogramm dominieren Akzidenzen für große Industriekunden, Plakate, Bildbände
sowie Wochen- und Monatszeitschriften. Die Komplettherstellung von Displays und Kartonagen inklusive
CAD-Design, Verpackungskonstruktion und Musterfertigung trägt ein Drittel zum Umsatz und zur
überregionalen Bekanntheit des Unternehmens bei. Farbkataloge in vielen
Sprachversionen und mehrfarbige Loseblattwerke ergänzen das Spektrum im klassischen Akzidenzbereich.
Das im vergangenen Jahr eingerichtete Digitalstudio besorgt die schnelle Produktion von Werbeflyern,
Broschüren , Geschäftsausstattungen und kleineren Plakaten im farbigens Digitaldruck mit einer Xerox Docu-
Color 6060. In der Druckvorstufe wird zwei-, in Druck und Weiterverarbeitung dreischichtig gearbeitet. Arbeitszeitkonten
für die technischen Mitarbeiter erlauben eine flexible Reaktion auf die schwankende Auslastung. |
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Als Bogenoffsetbetrieb hat sich Kraft Druck auf das 3B-Format (Druckformat 715 x 1.020 mm) fokussiert.
Die 17 Druckwerke verteilen sich auf je eine Vierfarben-, eine Achtfarben- und Fünffarbenmaschine
MAN Roland 700, letztere mit zusätzlichem Lackierwerk. Die Achtund die Vierfarben Roland 700 sind
auf 4/4- beziehungsweise 2/2-farbigen Druck umstellbar. 2003 wurden alle drei Maschinen mit dem Pecom-
Leitstandsystem nachgerüstet. |
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Bei der Vorstufentechnik setzt Kraft seit über zehn Jahren auf Creo. Schon 1998 nahm in Ettlingen einer der ersten
Lotem 800V-Thermoplattenbelichter Deutschlands die Produktion auf. Seit Jahresbeginn 2003 hält der
Prinergy-PDF-Workflow in einer Midrange-Konfiguration (4-CPUPrimary Server plus 2-CPU-Renderstation)
die Produktion im Fluss. In 2003 erfolgte der Umstieg auf einen Lotem 800 Quantum mit Registerstanzsystem
und Online-Entwicklungsmaschine. Das vollautomatische CTP-System, aktuell angesteuert über die
Prinergy-Version 2.3, bebildert im Durchschnitt 2.200 Druckplatten pro Monat: alle im einheitlichen Format
785 x 1.030 mm für die Roland 700- Maschinen. In der Weiterverarbeitung stehen unter anderem drei Falzmaschinen
MBO K76, eine Multimaster- Falzmaschine von Bäuerle, ein Sammelhefter Heidelberg Stitchmaster
ST 400, eine Stanzmaschine von Bobst und ein Klebebinder vom Typ Wohlenberg Master. Kraft Druck arbeitet bereits seit
zehn Jahren mit dem HIFLEX-MIS (Management-Informationssystem) einschließlich Betriebsdatenerfassung,
das kontinuierlich auf den jeweils neuesten Stand gebracht und 2000 mit dem E-Business-Modul ergänzt
wurde. Seitdem können die Kunden über das Web-Interface sowohl den Produktionsstatus gerade
laufender Jobs als auch die Historie früherer Aufträge abrufen. Mit dem Aufbau der JDF-Vernetzung des HIFLEX-
MIS mit dem Creo-Workflow und den Druckmaschinen begann man im Herbst 2003. |
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Die Verbindung zwischen Creos Workflow-Management-Lösung Prinergy und dem HIFLEX-MIS für die
Kommunikation mit JDF- und dynamischen JMF-Daten leistet das Softwaremodul Synapse Link und der
JDF-Controller von HIFLEX. Dadurch kann das MIS in Prinergy automatisch einen neuen Job anlegen, sobald
aus einem Angebot ein konkreter Auftrag wird. Umgekehrt liefert Prinergy während der Produktion
laufend Daten über Verarbeitungsund Ausgabeprozesse und den jeweils anfallenden Materialverbrauch
(Proofs und Platten einschließlich Kostenstellenzeiten). Die Registrierung aller bebilderten Druckplatten
erleichtert auch die Lagerhaltung und das Bestellwesen. |
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Bereits seit der Einführung des Creo Prinergy-Workflows liefert die Vorstufe den Bogenoffsetmaschinen
online die CIP3-PPF-Daten für die Farbzonenvoreinstellung. Das MIS schickt Auftragskenndaten und Parameter
wie Format, Papier, Auflage, Anzahl der Druckplatten und Farben über die JDF-Schnittstelle zu den
Pecom-Leitstandsystemen, die automatisch Maschinenereignisse wie den aktuellen Exemplarzählerstand
an das MIS zurück melden. Das vereinfacht und beschleunigt die Rüstvorgänge im Drucksaal. |
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Seit 2005 werden auch die Falzmaschinen mit Auftragskenndaten und Einstellparametern versorgt. Damit
ist die Ettlinger Druckerei weltweit der erste vierstufig JDF-vernetzte Betrieb: Administration, Vorstufe,
Druck und Weiterverarbeitung ziehen am selben Datenstrang. |
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Aus der Implementierung des durchgängigen JDF-Workflows ergab sich für Kraft Druck im Vergleich von
2003 zu 2004 eine Steigerung der effektiven Fertigungsstunden von 9,6 Prozent. Kosten sind durch die automatische
und vollständige Erfassung von Kostenstellenzeiten und Materialverbrauch eindeutig zugeordnet. Vor der JDF-Vernetzung war die
Leiterin der Druckvorstufe rund vier Stunden pro Monat damit beschäftigt, die nicht ordnungsgemäß in die
Betriebsdatenerfassung eingegebenen Druckplatten und Proofs zu suchen. Die systemgestützte Erfassung
sämtlicher Korrekturen in der Vorstufe liefert darüber hinaus wertvolle Informationen für das interne Qualitätsmanagement.
Kraft Druck hat heute einen Fehlkostenanteil von ein Prozent des Umsatzes; der Branchendurchschnitt liegt dagegen bei
drei Prozent. |
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Die automatische Betriebsdatenerfassung in der Druckvorstufe erspart täglich 30 Minuten, der Wegfall
der Zweit- und Dritterfassung von Kunden- und Auftragsdaten ergänzt den Zeitgewinn pro Tag auf eine
Stunde. Eingespart wurde auch der Auftragsdisponent: Die Disposition wird heute in zwei Stunden pro Tag
von einem Mitarbeiter aus dem Qualitätsmanagementerledigt. |
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Geschäftsführer Kraft fasst den entscheidenden Vorteil der JDFVernetzung zusammen: "Gerade bei
komplexen Projekten ist es sowohl für die Zusammenarbeit mit dem Kunden als auch für die innerbetrieblichen
Abläufe ausgesprochen wichtig, dass allen Beteiligten zu jedem Zeitpunkt detaillierte Informationen
über den aktuellen Status von Aufträgen und Projekten zur Verfügung stehen." |
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Der qualitative Nutzen der Vernetzung von Administration und Produktion zeigt sich in verschiedenen Punkten
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Aber steht der Nutzen auch in sinnvoller Relation zum Aufwand? Unternehmer müssen jeden Ertrag in
Beziehung zum getätigten Aufwand setzen - da macht das Thema Vernetzung keine Ausnahme. Angesichts
der Branchenbedeutung hat sich das Institut für Rationalisierung in der Druckindustrie (IRD) in Frankfurt
die Kraft-Zahlen angesehen und eine ROI-Berechnung angestellt. |
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Die in der Kalkulation verwendeten Kosten für Softwarelizenzen, Einarbeitung und dergleichen basieren auf
Listenpreisen. Die Nutzenanalyse beruht auf empirischen Daten des ersten Jahres nach Vernetzungsstart (November
2003 bis November 2004). Im ersten Jahr nach Einführung konnten die verkauften Produktionsstunden
insgesamt um 9,6 Prozent gesteigert werden; Personal und Maschinenpark blieben unverändert. |
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Selbst wenn man die Ergebnisse des IRD cum grano salis nimmt, sind sie beeindruckend. Auf fünf Jahre berechnet
ergibt sich ein Return of Investment von 446 Prozent, das entspricht einem Amortisationsfaktor
von 5,46. Der Kapitalwert beläuft sich auf 579.826 Euro, bei einem internen Zinsfuß von 168 Prozent. Die CIP4-
Organisation verlieh Kraft im August den CIPPI-Award für die "größte Effizienzsteigerung und Verbesserung
der Kundenbetreuung durch den Einsatz von Prozessautomatisierung". |
Druck & Medien ist ein Magazin der Haymarket Media GmbH. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen Menschen, Technik,
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