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Druckspiegel: Branchensoftware als JDF-Brücke PDF-Version:als PDF öffnen / Pressmehr Info
HIFLEX legt richtungweisend den Workflow - Die Aachener Print-and-Media-Software-Schmiede HIFLEX GmbH vernetzt Vorstufe mit Print, ob MAN Roland oder KBA – und das alles im Job- Definiton-Format (JDF), dem Datenaustauschformat der Zukunft. Die Basis von JDF und damit die führende Rolle in der Vernetzung ist nach Meinung von Fachleuten das Management-Informationssystem (MIS, Branchensoftware) eines Druck-/Medienbetriebes.
Die Branchensoftware ist das führende System beim gesamtbetrieblichen Datenaustausch via JDF, denn sie steuert die gesamte Auftragsabwicklung. Sie überführt die technischen Daten aus der Kalkulation in die Produktionsplanung und stellt sie von dort der Produktion zur Maschinenvoreinstellung über JDF zur Verfügung. Die Rückmeldungen aus der Produktion fließen in der Branchensoftware in betriebswirtschaftliche Auswertungen und Statistiken zum Auftrag ein. Hier wird es in erster Linie darauf ankommen, ob die Branchensoftware in der Lage ist, auch komplexe Aufträge (Kalkulationen) sachlich richtig in einem Vorgang abzubilden. Anforderungen wie verschiedene Produkte und Auflagen innerhalb einer Kalkulation, Sammelformen und komplizierte Verarbeitungen müssen wirklichkeitsgetreu (ohne Trickserei) abbildbar sein und im JDF-Format (inkl. Ausschießschemen) abgespeichert werden können.

In der HIFLEX-Kalkulation können mehrere Endprodukte mit beliebig vielen Produktteilen angelegt werden. Einzelne Produktteile können bei gleichem Bedruckstoff beliebig auf eine Druckform (Sammelform) gestellt werden. Nach Beschreibung des zu kalkulierenden Produkts (Anzahl der Seiten, Format, Farbigkeit und Bedruckstoff) wird der komplette Produktionsweg automatisch vom System generiert. Dabei greift das System auf Expertenwissen zurück, das in frei konfigurierbaren Entscheidungstabellen hinterlegt ist. Anwender berichten, dass sich ca. 80% aller Kalkulationen über die Kalkulationsautomatik abwickeln lassen. Der Produktionsablauf wird übersichtlich in einem Flussdiagramm dargestellt (s. Abb. 1)

Abb. 1: Der Produktionsablauf wird in einem Flussdiagramm dargestellt.  
Stefan Reichhart, Geschäftsführer der HIFLEX GmbH, will noch vor der Drupa mit mehreren Cip-4-Mitgliedern zahlreiche JDF-Anbindungen realisieren.

Dabei ist es für die JDF-Vernetzung mit der Produktion entscheidend, dass das System bereits in der Vorkalkulation die Wirklichkeit exakt nachstellt, denn die Vorkalkulation bildet die Basis für die spätere Produktionsplanung und -steuerung.

Abb.2: Arbeitsgänge bleiben logisch verknüpft und werden in ihrer zeitlichen Folge dargestellt.  
Die aus der HIFLEX-Kalkulation übernommenen Zeitwerte stehen der elektronischen Disposition (Produktionsplanung und -steuerung) bogen- bzw. signaturweise zur Verfügung. Arbeitsgänge bleiben über einen Gantt (Flussdiagramm) logisch miteinander verknüpft und werden in ihrer zeitlichen Folge grafisch dargestellt.

Grundlage für die an die Produktion zu übermittelnden Daten ist die Produktionsplanung und -steuerung (PPS = HIFLEX-Disposition als Prozessleitrechner), in der die Auftragsreihenfolge in den Stufen der Grob-, Anschluss- und Feinplanung (ggf. Änderung der Auftragskalkulation in eine Produktionskalkulation) festgelegt wird. Die Aufgaben des Prozessleitrechners (HIFLEX- Disposition) umfassen u. a. das Erstellen einer JDF-Datei, das Auslösen des Datentransfers an die Produktion und die Zuordnung der zur jeweiligen Fertigungsstufe benötigten Ressourcen (z. B. Farbprofile, Platten, Farbe).

Abb. 3: Eine JDF-Steuerdatei, die aus der HIFLEX-Disposition erstellt wurde.  
Die Abbildung zeigt eine JDF-Steuerdatei, die aus der HIFLEX-Disposition erstellt wurde. Die Führungsposition der Aachener auf dem Gebiet der Vernetzung ist u. a. darin begründet, dass die JDF- bzw. Cip-4-Bibliotheken (Libraries) vom Frauenhofer-Institut in der Programmiersprache C++ entwickelt werden. Für Branchensoftware-Anbieter, die nicht darin, sondern z. B. in Visual-Basic programmieren, stellt dies eine Entwicklungshürde dar. Das gesamte HIFLEX System hingegen wurde in C++ entwickelt.

Partner von Networked Graphic Production
Networked Graphic Produkction ist eine strategische Initiative von Creo, eine vollintegrierte, JDF-basierte Produktionsumgebung zu schaffen, in der alle Beteiligten des Gestaltungs- und Herstellungsprozesses von Printprodukten miteinander in Verbindung stehen. Die HIFLEX GmbH (www.hiflex.de) wurde nun der erste deutsche MIS-Lieferant in diesem Partnerprogramm. Das Aachener Unternehmen unterstützt die nahtlose Verknüpfung seiner betriebwirtschaftlich-administrativen Systeme der Druckereiverwaltung mit den Produktionssystemen in Druckvorstufe, Druck und Weiterverarbeitung. Neben der Vernetzung mit den Prepress-Workflows von Creo hat HIFLEX über eine JDF-basierende Maschinenschnittstelle auch den Austausch von Produktionsinformationen mit Druckmaschinen des Networked-Graphic-Production- Partners Koenig & Bauer AG realisiert. Der Leistungsumfang des HIFLEX-Print-Management-Informationssystems reicht von der Kalkulation über den auftragsrelevanten Schriftverkehr bis zur Nachkalkulation und der Erstellung von Statistiken. Zudem sind die Bereiche Materialwirtschaft, Produktionsplanung und -steuerung samt Betriebsdatenerfassung, JDF/Cip-4-Anbindung und E-Business integriert.

Die technische Anbindung an die Networked Graphic Production erfolgt durch den bidirektionalen Echtzeit-Datenaustausch zwischen HIFLEX Print und dem Creo-Prinergy- Workflow-Managementsystem über die Creo-Synapse-Link-Software bzw. über das JDF-Modul von HIFLEX. Über die offene JDF-Schnittstelle wird im Prinergy-Workflow automatisch ein Auftrag (Job) angelegt, sobald der zuständige Sachbearbeiter ihn im so genannten Auftragsbuch von HIFLEX Print definiert hat. In umgekehrter Richtung liefert Prinergy dem MIS während der Fertigung eines Auftrages ständig aktuelle Produktionsinformationen wie Maschinenbelegungszeiten, Materialverbrauchsdaten, Job-Status oder Art der ausgeführten Arbeiten.

Mehrere gemeinsame Kunden beider Lieferanten sammeln bereits praktische Erfahrungen mit der integrierten Lösung. Einer dieser Anwender ist die Kraft Druck und Verlag GmbH in Ettlingen. Werner Kraft, Geschäftsführer des grafischen Full-Service- Unternehmens mit mehr als 80 Beschäftigten über den Nutzen der Networked Graphic Production für sein Haus und seine Kunden: »Effizienz und rationelle Abläufe haben für uns im Verwaltungsbereich höchste Priorität. Gleichzeitig ist mir die Transparenz sehr wichtig. Jedem im Unternehmen sollen jederzeit ohne große Nachfragerei aktuelle Informationen über den Status von Aufträgen und Projekten zur Verfügung stehen. Allein schon aus diesem Grund ist die Verknüpfung des Creo-Workflows mit HIFLEX für uns sehr nützlich. Außerdem laufen bei uns viele komplexe Jobs in direktem Kontakt zwischen den Kunden oder Werbeagenturen und unserer Druckvorstufe, weil dort die Spezialisten sitzen. Hier hilft die automatische Betriebsdaten-Rückmeldung vom Creo-Workflow zu HIFLEX, dass ausgeführte Arbeiten bzw. angefallene Kosten auftragsbezogen vollständig und korrekt verbucht werden.«

Ergebnisse der ersten JDF-Implementierung
Die erste JDF-Praxisimplementierung haben HIFLEX und MAN Roland bereits im Februar in der Druckhaus Berlin Mitte GmbH (DBM) installiert. Jetzt liegen erste Praxisergebnisse vor. DBM ist eine moderne Bogenoffsetdruckerei mit ca. 100 Mitarbeitern. Fertigungsschwerpunkte sind Akzidenzen, Mailings, Plakate und Bücher. Ein PDF-Workflow ist vorhanden. Gedruckt wird auf zwei MAN Roland 700 (74 × 104 cm), einer MAN Roland 900 (100 × 140 cm) und einer Heidelberg Speedmaster (72 × 102 cm). In der Weiterverarbeitung verfügt man über diverse Falzmaschinen, Mailingmaschinen, Sammelhefter und einen Klebebinder.

Der vollzogenen Vernetzung der Produktion via JDF war die Einführung der HIFLEX-Produktionsplanung und der HIFLEX- Betriebsdatenerfassung vorausgegangen. »Durch die Einführung der HIFLEX-Disposition haben wir jetzt ein wesentlich präziseres Planungsinstrument zur Hand, durch das auch Kurzfristaktionen planbarer werden«, sagt Herbert Preißler, Geschäftsführer der Druckhaus Berlin Mitte GmbH. Die HIFLEX-Disposition bildet dabei die Grundlage zur Vernetzung der Produktion, denn die elektronische Plantafel ist zugleich das JDF- Steuerpult im Produktionsablauf.

Den Effekt für seinen Betrieb fasst er kurz zusammen: »Durch die JDF-Anbindung zwischen HIFLEX und MAN Roland sparen wir täglich etwa drei Stunden Arbeit im Druckereibüro. Dabei werden ca. 90% aller Aufträge ohne weitere Bearbeitung den MAN-Roland-Druckmaschinen zur Verfügung gestellt. Durch diese Rationalisierung haben wir einen wichtigen Wettbewerbsvorteil realisiert und zugleich die Voraussetzungen geschaffen, noch besser die Terminforderungen unserer Kunden zu erfüllen. Im nächsten Schritt wollen wir die Heidelberger Speedmaster und die Weiterverarbeitung einbeziehen, um alle geeigneten

Allgemeines Schema einer JDF-Vernetzung.  

HIFLEX will es nicht bei dieser einen Installation belassen: »Im Juni haben wir bei einem Schweizer Kunden eine JDF-Anbindung an das Prinergy-System von Creo in Betrieb genommen – wir beschränken uns also nicht nur auf Druckmaschinenanbindungen«, sagt Stefan Reichhart, Geschäftsführer der HIFLEX GmbH. »Mit MAN Roland sind bereits weitere Installationen bei gemeinsamen Kunden noch in diesem Jahr geplant. Darüber hinaus realisieren wir auch mit mehreren anderen Cip-4-Mitgliedern noch vor der Drupa zahlreiche JDF-Anbindungen.«

HIFLEX-Eckdaten zur Job-Definition-Format-Technik  
_Januar 2002: HIFLEX wird als einer der ersten Anbieter von Branchensoftware Cip-4-Mitglied.
_Februar 2003: HIFLEX realisiert die weltweit erste JDF-Praxisinstallation zwischen einer Branchensoftware (HIFLEX) und einer Druckmaschine (MAN Roland) bei der Druckhaus Berlin Mitte GmbH.
_Mai: HIFLEX zeigt auf der Creo-KBA Veranstaltung »Meet Creo« im Radebeuler KBAWerk die JDF-Anbindung von HIFLEX an das Prinergy-System von Creo (Europa-Premiere einer JDF-Anbindung zwischen einer Branchensoftware und einem Vorstufensystem) sowie die JDF-Anbindung an das Logotronic-System von KBA (Weltpremiere einer JDF-Anbindung zwischen einer Branchensoftware und Logotronic).
_Juni: Auf den »Seybold Seminars« in Amsterdam unterzeichnet HIFLEX als ein führender Anbieter von Branchensoftware die Verträge zur Networked-Graphic- Production- Partnerschaft mit Creo. Weitere Partner sind u. a. Adobe, KBA, Komori und Xerox. HIFLEX implementiert weltweit die erste JDF-Schnittstelle in der Praxis zwischen einer Branchensoftware und einem Vorstufensystem (Creo Prinergy) bei der Neidhart + Schön AG in Zürich.
_August: HIFLEX realisiert zusammen mit Creo eine weitere JDF-Praxisinstallation bei der Kraft Druck und Verlag GmbH (Ettlingen). Kurzfristig ist dort auch die JDF-Anbindung an die MAN-Roland-Druckmaschinen und damit erstmals eine JDF-Vernetzung zwischen drei Partnern geplant.
_September: HIFLEX kooperiert mit Agfa und stellt die erste JDF-Anbindung zwischen einer Branchensoftware und den Workflowsystemen Apogee 3 und Apogee X sowie dem Web-basierenden Projektmanagementsystem Delano fertig. Erstmalige Live-Präsentation dieser JDF-Anbindungen auf der Graph-Expo in Chicago.

Schweizer Druck- und Mediendienstleister vernetzt auf Erfolgskurs
Das Zürcher Medienhaus Neidhart + Schön Group mit seinen 70 Beschäftigten macht vor, wie das geht. Damit »hinter den Kulissen« alles bestens läuft, ist hier das HIFLEX-Print-System mit sämtlichen Modulen installiert. 15 Mitarbeiter arbeiten ständig damit, zehn weitere nutzen es bei Bedarf. Auf die HIFLEX-Datenbank, die als führendes Informationssystem tagtäglich gepflegt und auf dem neuesten Stand gehalten wird, greifen alle drei Betriebe (Offsetdruckerei, Digitaldruckerei, Multimedia) zu. Zudem erfassen alle im technischen Bereich tätigen Mitarbeiter laufend ihre Leistungen minutenaktuell.

Es ist geplant, die Auftragsdaten aus der HIFLEX Produktionsplanung direkt in die Produktion zu übernehmen. Das bedeutet dann, dass der Drucker zu Schichtbeginn auf seinem Terminal die aktuelle Auftragsplanung ablesen und die Auftragsdaten als Job-Definition-Format in die Druckmaschine laden kann.

Mit Blick auf die Zukunft ist Olivier Neidhart davon überzeugt, dass noch viel mehr als in der Vergangenheit integrierte Gesamtlösungen für die Kunden entwickelt werden müssen. »Was wir brauchen, ist ein leistungsfähiges System – einmal grundsätzlich leistungsfähig und dann auch so leistungsfähig von der Flexibilität her, dass es den sich ändernden Abläufen und Prozessen angepasst werden kann. Das System muss natürlich von der Grundarchitektur her gewisse Merkmale mitbringen – und da haben wir mit HIFLEX eine gute Ausgangslage – aber es muss auch problemlos möglich sein, Anpassungen an die individuellen Umgebungen vorzunehmen.«

Bei HIFLEX-Print steht zur Anpassung des Systems an individuelle Bedürfnisse ein »mächtiges« Workflowmodul zur Verfügung, mit dem alle Programmmasken der anderen Module des Systems vom Anwender selbst verändert werden können. Neben der beliebigen Positionierung und Beschriftung von Ein- und Ausgabefeldern gibt es in den Datenbanken freie Felder, die sich über einen Maskengenerator integrieren lassen. Mit diesen und anderen Anpassungen unter vollem Zugriff auf die Programmlogik kann der Anwender seinen Workflow individuell modellieren und zukunftsorientiert einrichten. Kürzlich wurde auch mit den Aachenern ein neues Lizenzmodell vereinbart, bei dem sämtliche HIFLEX-Module uneingeschränkt genutzt werden können. Damit sind die Weichen für die Zukunft gestellt – für die weitere Nutzung der Branchensoftware und die anstehende Implementierung des E-Business-Moduls. Saj

Quelle: Druckspiegel (Ausgabe 10/2003)  
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