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Der grafische Betrieb Kraft Druck in Ettlingen gilt als JDF-Pionier, denn er verband schon
vor zwei Jahren seine Branchensoftware mit der CTP-Vorstufe und dem Druck. Aber JDF ist für
die Badener kein Hobby, sondern eine kalkulierbare Vernetzungstechnologie. |
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Mit dem Aufbau eines JDF-Geflechts zwischen HIFLEX-Branchensoftware,
Creo-Produktionsworkflow und den Bogenoffsetmaschinen von MAN Roland begann die Kraft Druck
und Verlag GmbH, Ettlingen-Oberweier, im Herbst 2003. Im Januar 2004, auf dem Stuttgarter
Druckforum, trug die Druckerei ihr Vernetzungsprojekt an die Öffentlichkeit. Knapp zwei
Jahre nach dem Start, im August 2005, erhielt sie von der JDF-Organisation Cip 4 einen
Preis, der die Effizienz ihrer Vernetzung unterstreicht (siehe Kasten). |
Und das Kraft-Vernetzungsprojekt geht weiter: Als nächstes erhalten die MBO-Falzmaschinen
Anschluss an das MIS (Management-Informationssystem). Dieser Schritt macht die Ettlinger
Druckerei zum weltweit ersten vierstufig – Administration, Vorstufe, Druck und
Weiterverarbeitung – JDF-vernetzten Betrieb.
Treibende Kraft der Vernetzung ist Thomas
Brickwedde, der Leiter des Verkaufsinnendienstes: "HIFLEX und JDF sind bei uns in der
Zukunft nicht mehr zu trennen". Die Druckvorstufenleiterin Jutta Kunze zu Creo Prinergy
und JDF: "Prinergy ist für mich eine Lebenserleichterung. An JDF denke ich eigentlich
gar nicht mehr, weil es so automatisch im Hintergrund seine Arbeit verrichtet, dass es mir
gar nicht auffällt." Der stellvertretende Druckereileiter Dorner, auf die
Druckmaschinensteuerung Pecom und JDF angesprochen: "Das Gespann ist eine Arbeitserleichterung
für den Drucker, der mit einem Knopfdruck alles erledigen kann." Und der Chef,
Geschäftsführer Werner Kraft, zum JDF-Standard: "Er ist die Krönung unserer
langjährigen Anstrengung um Transparenz und Prozessautomatisierung in unserem Betrieb."
Was sich wie Werbesprüche anhört, sind Antworten von Praktikern, die mir kurzgefasst ihre
Assoziation zu JDF in Bezug auf ihr Arbeitsgebiet formulieren sollten – ohne Anwesenheit
eines Lieferanten. Offensichtlich stehen sie zu ihrer Entscheidung, die zum
Vernetzungsstandard JDF geführt hat, wenn auch Brickwedde warnt: "JDF ist kein
Allheilmittel. Es ist das I-Tüpfelchen auf einen schon vorhandenen, gut organisierten
Workflow mit EDV-Unterstützung, bei dessen Einführung Aufgaben und Zuständigkeiten neu
geregelt werden müssen." |
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Bild 1: Die Kraft Druck und Verlag GmbH in Ettlingen-Oberweier; Bild 2:Thomas Brickwedde, der
Vernetzungs-"Motor", an seinem HIFLEX-Bildschirm; Bild 3: Für die
Vorstufenleiterin Jutta Kunze sind Prinergy und JDF "Lebenserleichterungen". |
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Typisch für Vernetzungspraktiker: Kraft Druck spiegelt sowohl Stolz als auch Nüchternheit
wieder. Wer ist Kraft Druck? Eine Druckerei mit achtzig Mitarbeitern und topaktueller
Produktionstechnik.
"Unser Bestreben war schon immer, die Beziehung zu den Kunden groß
zu schreiben und sie mit einem qualifizierten und hochmotivierten Mitarbeiterstamm zu
bedienen. Gleichzeitig haben wir nie versäumt, unseren Leuten die jeweils modernste Technik
an die Hand zu geben, mit der sie vernünftig arbeiten können", sagt Geschäftsführer
Werner Kraft.
Im Fertigungsprogramm des vollstufigen grafischen Betriebes dominieren
Akzidenzen für große Industriekunden, Plakate, Bildbände sowie Wochen- und
Monatszeitschriften. Die Komplettherstellung von Displays und Kartonagen einschließlich
CAD-Design, -Verpackungskonstruktion und Musterfertigung trägt ein Drittel zum Umsatz bei.
Farbkataloge in vielen Sprachversionen und mehrfarbig gedruckte Loseblattwerke
vervollständigen das Fertigungsspektrum im klassischen Akzidenzbereich. Ein Digitalstudio
bietet die schnelle Produktion von Werbeflyern, Geschäftsausstattungen, Broschüren und
kleineren Plakaten im Digitalfarbdruck mit einer Xerox Docucolor 6060.
Kraft hat sich als Bogenoffsetdruckerei auf das 3B-Format (71,5x102 cm) fokussiert.
Insgesamt 17 Roland-700-Druckwerke verteilen sich auf je eine Vierfarben-, Achtfarben-
und Fünffarbenmaschine, letztere mit zusätzlichem Lackierwerk. Alle drei Druckmaschinen
wurden mit dem Pecom-Leitstandsystem nachgerüstet.
Druckvorstufe: Seit mehr als zehn Jahren ist Prepress-Technik von Creo (früher Scitex,
heute bei Kodak) Dreh- und Angelpunkt des digitalen Workflows und der Ausgabe. 1998 führte
man Computer-to-Plate ein, als in Ettlingen einer der ersten Lotem 800 V-Thermoplattenbelichter
Deutschlands die Produktion aufnahm. Seit Anfang 2003 hält der Prinergy-PDF-Workflow
die Produktion im Fluss. Zur gleichen Zeit vollzog Kraft Druck den CTP-Generationenwechsel
zu einem Lotem 800 Quantum mit Registerstanzsystem, Online-Entwicklungsmaschine und der
Möglichkeit, die FM-Rasterung Staccato einzusetzen (wird für Reiseführer und Möbelkataloge
praktiziert). Das CTP-System bebildert durchschnittlich 2200 Druckplatten im Monat – alle im
einheitlichen Format 78,5x103 cm.
Entsprechend dem Full-Serivce-Anspruch ist die Buchbinderei für das Schneiden, Falzen,
Sammelheften, Klebebinden und Stanzen ausgestattet. Dafür stehen u. a. drei MBO
K76-Falzmaschinen, eine Multimaster-Falzmaschine von Bäuerle, ein Stitchmaster ST
400-Sammelhefter von Heidelberg, ein Wohlenberg-Klebebinder und eine Bobst-Stanzmaschine zur
Verfügung.
Unternehmensleitung und Verwaltung halten auf Linux- und Windows-2000-Servern mit Microsoft
Office XP und der Branchensoftware HIFLEX Print die organisatorischen und
betriebswirtschaftlichen Fäden in der Hand. Kraft Druck arbeitet schon seit 1995 mit dem
HIFLEX-MIS einschließlich Betriebsdatenerfassung und hat es ständig auf den neuesten Stand
gebracht. Im Jahr 2000 wurde das E-Business-Modul von HIFLEX in Betrieb genommen. Seither
können die Kunden via Internet diverse Dienstleistungen nutzen. Nach dem autorisierten Login
lassen sich sowohl Produktionsdaten schicken als auch der Status gerade laufender Aufträge
oder die Historie früherer Arbeiten abrufen. |
Durch die JDF-Vernetzung der administrativen Ebene mit den Produktionssystemen in Vorstufe,
Druck und Weiterverarbeitung hat Kraft Druck eine ganze Reihe vorteilhafter Effekte
realisiert:
Die Implementierung der JDF-Vernetzung erfolgte in mehreren Stufen. Heute profitiert das
Unternehmen von einem integrierten Workflow, in den der Prinergy-Prepress-Workflow, das
Pecom-Druckmaschinenleitstandsystem und das HIFLEX-MIS integriert sind.
Die kunden- und auftragsspezifischen Daten werden in HIFLEX Print einmal erfasst. Ausgehend
davon, generiert das MIS die komplette Produktionsabfolge und alle für die einzelnen
Produktionsschritte in Vorstufe und Druck (und demnächst auch für das Falzen) notwendigen
Informationen, die den Produktionssystemen über JDF-Interfaces zur Verfügung gestellt werden. |
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Der Prepress-Monitor zeigt JDF-/JMF-Rückmeldungen des Prinergy-Systems im HIFLEX-Auftragsbuch,
u. a. den Seitenstatus mit Thumbnail und die Auftragsstruktur in Prinergy. |
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Die Brücke zwischen Prinergy und dem HIFLEX-MIS für die Kommunikation mit JDF- und
dynamischen JMF-Daten (Job Messaging Format) schlagen das Softwaremodul Synapse Link und der
JDF-Controller von HIFLEX. Dadurch kann das MIS in Prinergy einen neuen Job anlegen, sobald
aus einem Angebot ein konkreter Auftrag wird. In Gegenrichtung liefert Prinergy während der
Produktion laufend Daten über Verarbeitungs- und Ausgabeprozesse (z.B. Operationen laut
Auftrag, Autorkorrekturen und verursacherbezogene Hauskorrekturen) und den jeweils
anfallenden Materialverbrauch (Proofs und Platten einschließlich Kostenstellenzeiten).
Die Registrierung aller bebilderten Druckplatten erleichtert die Lagerhaltung und das
Bestellwesen.
Seit der Einführung des Prinergy-Workflows liefert die Vorstufe den Bogenoffsetmaschinen
über eine Online-Verbindung Cip-3-PPF-Daten für die Farbzonenvoreinstellung. über die
JDF-Schnittstellenverbindung zwischen HIFLEX und Pecom kann das MIS Auftragskenndaten
(Kundenname, Auftragsnummer, Produktbezeichnung usw.) und druckrelevante Parameter wie
Format, Papier, Auflage, Anzahl der Druckplatten und Farben den Druckmaschinen zur Verfügung
stellen. Das schafft Klarheit und vereinfacht und beschleunigt die Rüstvorgänge im Drucksaal.
In der Gegenrichtung geben die Druckleitstände Maschinenereignisse – z. B. den aktuellen
Exemplarzählerstand – ans MIS durch. |
Aus der Implementierung des durchgängigen JDF-Workflows ergab sich für Kraft Druck im
Vergleich von 2003 zu 2004 eine Steigerung der effektiven Fertigungsstunden von 9,6 Prozent.
Durch die automatische und vollständige Erfassung von Kostenstellenzeiten und
Materialverbräuchen sind die Kosten eindeutig zugeordnet. Vor der JDF-Vernetzung war die
Leiterin der Druckvorstufe rund vier Stunden pro Monat damit beschäftigt, den
"verlorenen", sprich: nach der Druckformherstellung nicht ordnungsgemäß in die
Betriebsdatenerfassung eingegebenen Druckplatten und Proofs hinterher zu fahnden. Solche
mittlerweile ausgemerzten Fehlbuchungen unterbrachen zuvor auch den Abrechnungsprozess, denn
abgerechnet wird nur nach vollständiger, plausibler Nachkalkulation.
Damit ist das Unternehmen nun wesentlich schneller und präziser in der Rechnungslegung. Die
systemgestützte Erfassung sämtlicher Autor- und Hauskorrekturen in der Vorstufe liefert
darüber hinaus wertvolle Informationen für das unternehmensinterne Qualitätsmanagement.
Kraft Druck hat heute einen Fehlkostenanteil von ein Prozent des Umsatzes; der
Branchendurchschnitt liegt laut IRD bei drei Prozent. |
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Beim Ausschießen mit dem Preps-Utility werden Kontrollstreifen, Ziehmarken, Schneidzeichen
und die Bogensignatur manuell eingefügt -- oder über ein Preps-Template automatisch
platziert. |
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Die automatische Betriebsdatenerfassung im CTP-Bereich führt zu einer Einsparung von täglich
30 Minuten. Und die nicht länger erforderliche Zweit- und Dritterfassung von Kunden- und
Auftragsdaten spart nochmals 30 Minuten pro Tag ein.
Ein zusätzlicher Folgeeffekt der JDF-Implementierung ist, dass Kraft Druck keinen dedizierten
Auftragsdisponenten mehr benötigt. Die Disposition wird in zwei Stunden pro Tag von einem
Mitarbeiter aus dem Qualitätsmanagement mit erledigt.
Die gesamte Auftragsabwicklung ist transparenter und flexibler geworden. HIFLEX-Systemmodule
wie das Auftragsbuch und die Disposition sind dank der automatisierten Betriebsdatenerfassung
immer auf dem aktuellen Stand. So ist beispielsweise für den Verkaufsinnendienst die
Datenanlieferung durch die Kunden im Auftragsbuch ersichtlich oder für den Disponenten die
Bebilderung der zur Produktion benötigten Druckplatten in seiner elektronischen Plantafel.
Die Kundenberater können ihre Kunden schneller und genauer über den Status der einzelnen
Aufträge informieren. Gleichzeitig wird das Personal in Administration und Produktion
von redundanten und ineffizienten Arbeitsschritten entlastet. |
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 Werner Kraft, Geschäftsführer der Kraft Druck und Verlag GmbH, nahm den CIPPI-Award entgegen. |
| Im Bestreben, die Effizienz zu steigern und für ihre Kunden offen und immer ansprechbar zu
sein, hat Kraft Druck schon frühzeitig begonnen, die unternehmensweite Vernetzung
organisatorisch und technisch voranzutreiben. Im August 2005 wurde die Druckerei mit einem
der erstmals verliehenen Cip 4 International Print Production Awards (CIPPI-Awards)
ausgezeichnet. Kraft Druck ist Gewinner des ersten Preises in der Kategorie "Größte
Effizienzsteigerung und Verbesserung der Kundenbetreuung durch den Einsatz von
Prozessautomatisierung". Die Cip-4-Organisation würdigt damit das Engagement des
Unternehmens und seiner Partner aus der Lieferindustrie (HIFLEX, Creo und MAN Roland) zur
konsequenten Umsetzung der JDF-Vernetzung von Druckereiverwaltung, digitaler Druckvorstufe
und Offsetdruck. Zwei Zahlen unterstreichen, welche Effizienzsteigerung die Vernetzung bei
Kraft Druck gebracht hat. Der Return on Investment (ROI) der gesamten JDF-Implementierung
beläuft sich innerhalb von fünf Jahren auf 446 Prozent. Der Amortisationsfaktor liegt
dementsprechend bei 5,46. |
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