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HIFLEX-Geschäftsführer Stefan Reichhart über den Nutzen einer integrierten Produktion in der Druckerei
Auf der vergangenen Drupa war viel von Prozessoptimierung in der Produktion die Rede. Dabei ging es immer um das Ziel, gute Margen zu erzielen und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Wie wichtig ist hier der Einsatz von Software?
Reichhart: Sie ist unumgänglich. Ohne Software ist der kaufmännische Erfolg Ihres Betriebes in der Zukunft gar nicht mehr vorstellbar. Software optimiert die Prozesse, bietet Lösungen zur Automatisierung und steigert die Flexibilität. Wer heute auf Automatisierung verzichtet, ist morgen nicht mehr im Wettbewerb.
 
Im Democenter Aachen ist das HIFLEX MIS mit den Systemen marktführender Maschinen- und Systemanbieter vernetzt, so auch mit Horizon.

Ein Wettbewerb ohne Mitarbeiter im vollautomatisierten Drucksaal bzw. in der prozessoptimierten Buchbinderei?
Reichhart: Nein, das Gegenteil ist richtig. Wer heute die Vorteile der integrierten, das heißt vernetzten Produktion nicht erkennt und seinen Betrieb nicht entsprechend Schritt für Schritt modernisiert, gefährdet die bestehenden Arbeitsplätze, denn er läuft Gefahr, seine Kunden zu verlieren. Die Situation in der Branche ist doch klar: Die Kunden sind anspruchsvoller geworden. Auflagen werden kleiner und raffinierter, dazu kommen häufigere Auftragswechsel und immer kürzere Lieferzeiten. Das hat Konsequenzen für unsere Produktionsweise und deswegen müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Ein Schlüssel hierzu ist – neben der Rationalisierung, der höheren Produktionsgeschwindigkeiten und der Reduktion der Rüstzeiten – die Vernetzung aller Daten von der Vorstufe bis zur Druckweiterverarbeitung. Anders ist der komplexe Arbeitsalltag nicht mehr steuerbar – jedenfalls nicht mit Blick auf ein positives Ergebnis.
Also ist es vorbei mit dem bisherigen Arbeitsfluss: Ein Auftrag wandert von Abteilung zu Abteilung und wird jeweils mit einer Insellösung umgesetzt?
Reichhart: … und jedesmal müssen die Daten neu erfasst, bearbeitet und programmiert werden? Natürlich ist das höchst uneffektiv. Die Daten liegen ja mit der Auftragsbestätigung bereits in der Datenbank: Kundendaten, Auftragsnummer, Jobdaten, Fertigungsplan, Falzschema, Ausschießer, Papier, Farben usw. Wir können sie für jeden Schritt in der Produktion nutzen, vorausgesetzt, die Schnittstellen zu den einzelnen Maschinen sind vorhanden, wie es beispielsweise bei den Horizon-Maschinen mit dem Horizon-eigenen i2i-System ja der Fall ist.
Gibt es denn noch Einsparungspotenzial bei den Rüstzeiten durch die Vernetzung der Daten? Unsere eigene Touch&work-Technologie hat die Rüstzeiten radikal verkürzt, da ist kaum noch Luft ...
Reichhart: Zugegeben, Horizon hat Spitzenwerte bei den Rüstzeiten. Die Jobdaten lassen sich in wenigen Sekunden am Bildschirm eingeben und die Maschinen stellen sich daraufhin automatisch selbst ein. Aber die Vernetzung ist eben keine Einbahnstraße. Genauso wichtig ist es, dass durch die JDF/JMF-Vernetzung die Druckerei bzw. die Buchbinderei zum Beispiel jederzeit über die laufende Produktion informiert ist und Daten für Nachkalkulationen zur Verfügung hat. Darin werden sicher auch Ihre Kunden einen großen Nutzen sehen.
Die Produktion in den Betrieben wird dadurch transparenter?
Reichhart: Ja, dafür sorgt die Vernetzung sowohl mit den steuerungstechnischen als auch mit den administrativen Einheiten – also JDF/JMF über die MIS-Anbindung. Die Nachkalkulation wird durch die permanente Datenerfassung so zu einem hoch automatisíerten Vorgang.
Noch eine eher technische Frage: Was ist das Besondere bei der JDF-Integration der Weiterverarbeitung?
Reichhart: Gerade für die Steuerung und Automatisierung der Weiterverarbeitung mittels JDF muss die gesamte Produktionskette betrachtet werden – das Vernetzungsprojekt muss also in der Vorstufe beginnen. Denn die Vernetzung funktioniert ja nur, wenn sich die Vermaßungen, die über JDF zum Beispiel an eine Falzmaschine oder einen Sammelhefter geschickt werden, auch auf den Druckplatten bzw. den gedruckten Bogen wiederfinden. Aus diesem Grund stellt das HIFLEX MIS, welches ja das steuernde JDF-System in der Vernetzung ist, der Weiterverarbeitung nicht nur die Voreinstelldaten zur Verfügung, sondern sorgt auch dafür, dass nach diesen Daten bereits in der vorgeschalteten Produktion, insbesondere der Druckplattenherstellung, gearbeitet wird.
Und welchen konkreten Vorteil hat die Anbindung HIFLEX–Horizon?
Reichhart: Sie führt zu Effektivitäts- und Produktionssteigerungen, denn durch die Automatisierung werden bei der Einrichtung zeitaufwändige und fehleranfällige Arbeitsschritte vermieden. Betrachten wir beispielsweise eine Horizon-Falzmaschine und das i2i-System: Dieses empfängt die von HIFLEX übermittelten JDF-Daten, die Daten werden also nicht mehr per Hand eingegeben. Sie werden zur Visualisierung der Falzfolge verwendet und das entsprechende Falzprogramm wird automatisch generiert. Sicherer und schneller geht es kaum mehr.

HIFLEX sorgt für detaillierte Daten
Für die erfolgreiche Anbindung von Weiterverarbeitungsmaschinen stellt HIFLEX detaillierte Daten zur Falzbogengeometrie, Lage des Falzbogens auf dem Druckbogen (z. B. Falzen und Sammelheften mit Mehrfachnutzen), zum Aufbau des Druckbogens, zur exakten Position der Schneide- und Falzmarken sowie Klammerart und -position bereit. Grundlage für die übergabe von JDF-Auftragsdaten an Schneidemaschinen, Falzmaschinen, Sammelhefter, Klebebinder etc. ist der vom HIFLEX-System berechnete Aufbau des Druck- und Falzbogens. Zum Einstellen z. B. von Anlegern, Hefter und Trimmer am Sammelhefter sind neben der Signatur-Stärke (ergibt sich aus Anzahl Seiten, Grammatur und Papiervolumen) die Beschnitt-Maße (Kopf-, Fuß- und Frontbeschnitt) sowie die Zuordnung der einzelnen Signaturen auf die jeweiligen Anleger wichtig. Die Erweiterung des HIFLEX MIS zur Anbindung der Weiterverarbeitung verhilft nachweislich zur Steigerung von Produktivität und Flexibilität. Sie erhielt den CIP4-Innovationspreis.

Die HIFLEX-Gruppe ist mit Einzelfirmen international aufgestellt. Gesellschafter sind im Wesentlichen die vier Gebrüder Reichhart. Das Unternehmen entwickelt Software-Lösungen für die kaufmännisch-technischen Geschäftsprozesse in der grafischen Industrie und ist auf dem Gebiet der JDF-Vernetzung weltweit Technologieführer. Auch die Anbindung des Horizon-i2i-Systems wurde mit der Software-Lösung von HIFLEX umgesetzt. Die Integration der Weiterverarbeitung schafft somit einen umfassenden CIP4-Workflow.